Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leserinnen und Leser

Immer noch – und allmählich macht sich bei vielen von uns ein Corona-blues-Gefühl breit. Und die Frage: Wie lange noch? findet auch keine befriedigende Antwort. Weiterhin ist unsere Geduld und unsere Disziplin gefordert, auch wenn es schwer fällt. Vielleicht hilft es, mit einer kurzen Andacht über einige Verse aus der Bibel und einem Gebet zum Palmsonntag innezuhalten und der Seele etwas Gutes zu tun. Das möchte ich Ihnen und Euch hier wieder anbieten.

Das Kirchenbüro ist weiterhin donnerstags telefonisch (Tel. 05594-213) und per Mail in der Zeit von 9.00 bis 15.00 Uhr für Sie da.
Pastorin Gabriele Persch ist telefonisch (05507-915225; 0171-7546748) und per Mail für Sie da.

Bleiben Sie gesund. Wer möchte, kann diesen Impuls ausdrucken und auch an Nachbarn weitergeben.
Ich wünsche Ihnen und Euch für die kommende Woche einen kraftvollen und zuversichtlichen Blick in die sonnig-helle Weite.

Ihre/Eure Gabriele Persch

Und nun einige Gedanken zum 6. Sonntag in der Passionszeit, dem Palmsonntag :

Was ist wichtig? Was ist jetzt dran?
Social distance – sagen die Politiker_innen, die Mediziner_innen. Abstand halten – sagen uns die Medien. Die Mundschutz-Debatten vermitteln uns: Mein Mitmensch ist vor allem ein Virenüberträger. Kontakte sind nur noch durch Telefon und Internet vermittelt möglich. Ist das jetzt dran? Die Vernunft sagt: Ja, das ist jetzt wichtig. Ich muss mich schützen, und ich muss den Anderen schützen. Das ist das Gute, das Beste, was ich für meine Mitmenschen tun kann. Das stimmt. Aber es bleibt so vieles auf der Strecke, je länger der Ausnahmezustand dauert, desto mehr. Die Einsamen vereinsamen noch mehr. Menschen bangen um ihren Lebensunterhalt. Kinder in prekären Familienverhältnissen sind in ihren schwierigen Situationen gefangen. Fälle seelischer und körperlicher Gewalt in Familien nehmen zu. Und nicht zuletzt: Trotz Telefon und Internet fehlt allmählich der persönliche Kontakt – physisch, verabredet oder spontan. Wir merken: Körperliche Nähe, quasi die barrierefreie Kommunikation ist wichtig, tut uns gut. Es war „vor Corona“ so selbstverständlich, dass wir das gar nicht so wahrgenommen haben – jetzt wird es uns zunehmend deutlich. Körperliche Nähe, direkte Kommunikation – davon erzählt die Geschichte, die für den Palmsonntag als Predigttext aus Markus, 14, 3-9 vorgeschlagen wird:

Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige seiner Jünger unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als 300 Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird  in aller Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Die Geschichte beginnt mit einem Skandal. Jesus begibt sich in das Haus eines Aussätzigen, sitzt an seinem Tisch, isst mit ihm, sucht seine Nähe. Das verstößt gegen alle gesellschaftlichen und religiösen Regeln des damaligen Palästina. Wer sich auf die Seite der Ausgeschlossenen begibt, schließt sich selber aus. Dennoch bleibt Jesus dabei: Er gehört auf die Seite der Armen und Elenden, der „Unreinen“ und Ausgeschlossenen.
Und dann das: Eine Frau salbt Jesus mit einem sündhaft teuren Öl. Man hätte dieses Öl für viel Geld verkaufen können, meinen die Jünger. Was hätte man mit diesem Geld alles tun können, wie vielen Bedürftigen hätte man damit helfen können. Und diese Frau gießt ein solches Vermögen einfach über Jesu Kopf aus. Was für eine sinnlose Verschwendung!
Aber sie scheint genau zu wissen, was sie tut. Sie lässt sich nicht beirren. Diese besondere, persönliche und direkte Zuwendung soll ihn stärken für seinen schweren letzten Weg, der ihn an das Kreuz führen wird. Und Jesus selbst gibt der Salbung eine Deutung: Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Das ist seine Antwort auf das zugegebenermaßen vernünftige Argument der Jünger. Er sagt nicht, dass sie damit im Unrecht wären. Für die Armen dazusein, weil Gott gerade auf ihrer Seite steht, das hat er in seinen Predigten von den Menschen gefordert, das hat er selbst vorgelebt. Und von seinen Jüngern gefordert: Seht, was zu tun ist. Es ist zu tun, was jetzt wichtig ist.
Jesus misst dieser Frau eine große Bedeutung zu, sie soll ein Beispiel sein, für die Jünger, für alle, die sich in der Nachfolge Jesu verstehen, für uns: Gegen die Meinung anderer etwas zu tun, was der Ehre Jesu Christi und damit der Ehre Gottes dient – ohne große Worte, ohne schlechtes Gewissen, ohne spektakulären Einsatz; einen „Liebesdienst“ nur für Jesus allein zu leisten, weil sie glaubt, es sei jetzt als Zeugnis, als Bekenntnis wichtig; und vielleicht auch einfach, weil es ihrem Gefühl nach jetzt sein muss. Es muss eben nicht immer das vernünftige Argument sein, das das Tun und Bekennen begründet. Ihr möglicherweise wirklich unüberlegtes, verschwenderisches Bekenntnis gibt diese Frau voll und ganz im Vertrauen darauf, dass Jesus ihren Dienst versteht und gern annimmt. Amen.

Herr, unser Gott,
Weise uns deinen Weg, dass wir wandeln in deiner Wahrheit.
Erhalte unsere Herzen bei dem einen, dass wir deinen Namen ehren.
Wenn wir in dieser Zeit deines Leidens und Sterbens gedenken, so wollen wir auch an die Menschen denken, die heute leiden, im Vertrauen darauf, dass du auf ihrer Seite stehst, und wissend, dass du uns aufforderst, für sie einzustehen.
Wir bitten dich daher, hab Erbarmen mit allen, die leiden müssen: mit den Trauernden und Einsamen, mit den Kranken und Heimatlosen, mit den Gefangenen und Verzweifelten. Gib uns offene Augen und mach uns bereit zum Helfen, Heilen und Trösten.
Wir danken dir, Herr, unser Gott, von ganzem Herzen und ehren deinen Namen ewiglich. Amen

HERR, unser Gott, segne und behüte uns.
Lass DEIN Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe DEIN Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen.

"Aber seid getrost" - Worte von Dr. Martin Heimbucher, Kirchenpräsident der ev.-ref. Kirche (Kopie)